29. Mai 2017   Aktuell

Zu Besuch im Bürgermuseum: „Die Geschichte dieser Stadt gehört allen Menschen“

DIE LINKE vor dem Besuch des Bürgermuseums: André Owczarek, Dieter Wiechenberg, Nadja Frick, Arnfred Stoppok (v.l.n.r.) Foto: privatDIE LINKE vor dem Besuch des Bürgermuseums: André Owczarek, Dieter Wiechenberg, Nadja Frick, Arnfred Stoppok (v.l.n.r.) Foto: privat

Vertreter des Kreisverbandes der Wolfenbütteler LINKEN haben am vergangenen Mittwoch das neue Wolfenbütteler Bürgermuseum besucht. Nach einer ausführlichen Besichtigung zog die Kreisvorsitzende, Nadja Frick, ein erstes Fazit: „Zunächst muss man festhalten, dass die Ausstellung handwerklich sehr gelungen ist. Effizient und modern sind die Exponate auf dem begrenzten Raum sinnvoll untergebracht, die Gestaltung der Wände fügt sich gut in die Architektur der Halle. Leider gibt es aus unserer Sicht aber bei der inhaltlichen Ausgestaltung eklatante Mängel."

Das Mitglied des Kulturausschusses des Stadtrates, André Owczarek, erläutert: „Die Geschichte der Arbeiterbewegung in Wolfenbüttel findet in der Ausstellung leider fast überhaupt keinen Platz. Weder Persönlichkeiten wie Samuel Spier, den man gut und gerne als Mitbegründer der Sozialdemokratie in Wolfenbüttel bezeichnen kann, noch linke Widerstandskämpfer wie Fritz Fischer finden irgendwo Erwähnung. Dies liegt sicher nicht am Mangel an Material, denn Flugschriften, Fotos bis hin zu Fahnen und Bannern sind in verschiedenen Nachlässen vorhanden. Man kommt leider nicht umhin, davon auszugehen, dass das „Bürger" im Namen sich nur auf die Klasse der Besitzbürger, nicht auf alle Bürger der Stadt bezieht."

Dies sei vor allem deshalb unbefriedigend, da bei Beschluss und Erarbeitung des Museums damals etwas anderes versprochen worden sei. „Der Anspruch war klar, dass ein Museum der Stadtgeschichte geschaffen werden sollte. Unsere Stadtratsgruppe hatte sich deshalb damals für ein beratendes Kuratorium stark gemacht, um ein hohes Maß an inhaltlicher Pluralität bei der Erarbeitung der Ausstellung und Schwerpunkte zu gewährleisten. Von einer breiten Mehrheit wurde dieses Anliegen brüsk zurückgewiesen. Nun ist leider eingetreten, was wir damals befürchtet haben: Das Museum erzählt fast ausschließlich die Geschichte des Bürgertums, also nur eines kleinen Teils der Wolfenbütteler Bevölkerung. Die sogenannten "kleinen Leute", vor allem Arbeiter und Angestellte, kommen nicht oder nur als Statisten vor", so Owczarek.

Man werde sich nun im Rat für mehr „Geschichte von unten" in der Ausstellung stark machen und für eine Ergänzung um die Geschichte der Wolfenbütteler Arbeiterbewegung und ihre Rolle im Widerstand gegen den deutschen Faschismus werben. Nicht zuletzt sehe man aber auch noch Handlungsbedarf bei der Darstellung der Verfolgung von Juden, Sinti und Roma und anderen, sowie einer Beleuchtung der personellen Kontinuitäten nach 1945. „Spannend und lehrreich ist die Ausstellung schon jetzt, aber wir möchten gern die Bandbreite um wichtige Aspekte erweitern, die uns bis jetzt zu kurz kommen. Die Geschichte dieser Stadt gehört allen Menschen, die in ihr gelebt und gewirkt haben", so Owczarek abschließend.